Der Dialog
Gelingt es, jemandem mit einer dialogischen Haltung zu begegnen, kann man die Grenzen des eigenen Weltbildes überspringen und sich beeinflussen lassen von der Gedankenwelt des Anderen.
Das ist eine wichtige Voraussetzung, um jemand Anderem zu "begegnen" (Jacob Moreno, Martin Buber). Begegnung bedeutet für uns: das Innenleben des Anderen, seine subjektiven Beweggründe annähernd zu erfassen, empathisch zu spüren und respektieren zu können als das Eigene des Anderen: "Ich bin nicht du. Ich weiß dich nicht!" (Michael Lucas-Möller).
Begegnung bedeutet darüber hinaus, selbst das Gefühl zu entwickeln, sich beeinflussen lassen zu wollen von den Gedanken eines Anderen.
Im Dialog ist die Frage unerheblich, wer Recht hat. Im Dialog gibt es viele Wahrheiten, jede ist Ausdruck einer persönlichen Weltsicht, jede ist berechtigt und ein Stück wahr.
Es geht darum, dem Anderen selbst als Lernender zu begegnen, damit ein gemeinsamer "Gedankenfluss" (Freeman Dhority) in Gang kommen kann, in dem beide Seiten davon ausgehen, dass es keine absolute, sondern verschiedene Wahrheiten gibt und dass man nicht schon vorher weiß, was nachher herauskommen wird.
Der Dialog ist eine Kultur des Fragens. Gelingt der Dialog, entstehen neue Wahrheiten, Sichtweisen oder Einsichten. Es ist der Versuch, eine kreative Situation zu schaffen, indem für eine gewisse Zeit die eigenen Ansichten in der Schwebe gehalten werden und dadurch Raum für Neues entstehen kann.
Der Dialog ist eine besondere Form, miteinander zu kommunizieren.
Die praktischen Schlussfolgerungen daraus sind enorm:
Als Fortbildner versuchen wir den Teilnehmerinnen auch als Lernende zu begegnen. Wir halten sie für die eigentlichen Expertinnen ihrer Lebenslage, ihrer beruflichen Praxis, ihrer Erfahrungen, ihrem Wissen und ihrer Deutungen. Wir profitieren davon, wie sie von unseren profitieren. Auch Kindern gegenüber vertreten wir die Haltung eines Lernenden statt eines Lehrenden. Die Haltung Kindern gegenüber muss aus unserer Sicht eine ebenso dialogische sein, dann ist sie kindzentriert.