Das Menschenbild
Handelnd,
das bedeutet, sich nicht bloß in Reaktion auf äußere Einflüsse zu verhalten. Handeln - ob Aktion oder Reaktion - ist nicht bloßes Tun, es ist absichtsvolles und sinnhaftes Verhalten. Wer handelt, verfolgt persönliche Ziele. Die Aktivität entspringt eigenen Antrieben. Wer handelt, tut dies natürlich in Wechselwirkung mit seinem sozialen und natürlichen Umfeld, aber, wer handelt entscheidet in letzter Konsequenz immer selbst, was er und sie wie tut. Aus den vielen Möglichkeiten, die immer bestehen, wählt der handelnde Mensch selbst aus, welche er wie nutzt. Wir folgen dem Menschenbild des Existenzpsychologen Victor E. Frankl, wenn er proklamiert, der Mensch sei "ein Wesen auf der Suche nach Sinn". Wir verstehen das so, dass Menschen von Geburt an und über das gesamte Leben hinweg in jeder konkreten Situation danach streben, ihrem Leben insgesamt und konkret dem Handeln in der jeweiligen Situation einen persönlichen Sinn zu geben.
Ob sie lernen, wie sie lernen, welche Fragen sie sich stellen, was sie anpacken, was sie liegen lassen, was sie interessiert und was nicht, wie sie sich in jeder Situation entscheiden, alles ist in letzter Konsequenz davon abhängig, ob es aus dem Innenleben des Individuums heraus sinnvoll erscheint. In diesem Verständnis kann niemand mehr (bloß) sagen: "Ich bin so geworden, weil meine Eltern das oder jenes getan haben...". Jeder ist zu jedem Zeitpunkt für sein Handeln selbst verantwortlich, dafür, für welche der vielen möglichen Handlungsweisen in der jeweiligen Situation er sich entscheidet. Jeder hat für sein Handeln persönlich "gute Gründe", subjektiv "positive Absichten" und handelt in diesem Sinne folgerichtig.
Unser Menschenbild ist humanistisch geprägt. Menschen sind demnach vor allem handelnde Subjekte.
Die praktischen Schlussfolgerungen daraus lauten für uns:
Jeder Mensch ist immer selbstverantwortlich für sein Leben. In der Erwachsenenbildung wie in der Arbeit mit Kindern versuchen wir, uns nach dem zu richten, was die internationale Freinet-Bewegung im § 2 ihrer Charta so formuliert hat: "Wir sind gegen jede Indoktrinierung. Wir maßen uns nicht an, im voraus definieren zu können, was aus dem Kind wird, das wir erziehen...Wir lehnen es ab, seinem Geist irgendeine unfehlbare und vorher festgelegte Lehre aufzuzwingen."
Subjekt
ist der Mensch insofern, als er ein Bild von sich selbst besitzt. Er spürt sich selbst und empfindet. Er verfolgt persönliche Absichten und Ziele und reflektiert zunehmend, was er tut. Jeder Mensch besitzt ein Bedürfnis nach Autonomie und Unabhängigkeit. Er möchte frei über sich und sein Handeln entscheiden können. Seine Erfahrungen möchte er selbst deuten, möchte einen persönlichen Sinn bilden und sich frei äußern können. Schließlich möchte er, dass sein Handeln Wirkung auf andere Menschen und die Welt hat. Der Mensch als Subjekt kann verlangen, dass andere Menschen sein persönliches Innenleben wahrnehmen, achten und nicht verändern wollen.
Die praktischen Schlussfolgerungen daraus lauten für uns:
Wir müssen uns, egal, ob wir es mit Kindern oder mit Erwachsenen zu tun haben, der Mühe unterziehen, verstehen zu wollen, müssen zuhören, müssen Gelegenheiten zum "freien Ausdruck" (Freinet) eröffnen, müssen also dem anderen die Möglichkeit geben, sich uns in seinem Subjekt-Sein zu zeigen. Wir brauchen den Dialog.